Freitag, 20. Dezember 2019

20.12.2019: FC Viktoria Köln 1904 - FC Hansa Rostock

  • 3.Liga (3.Liga Deutschland)
  • Sportpark Höhenberg (Köln)
  • 2.712 Zuschauer
  • 1:5 (0:3)
Die Hassliebe des Berichte schreibenden Fußballtouristen ist das zauberhafte Wörtchen "eigentlich". Dieses schnucklige, kleine Adverb ist nämlich eines dieser Wörter, die einem immer wieder über den Weg laufen. Denn obwohl man es eigentlich (ha, da isses ja schon wieder!) gar nicht nutzen will, steht man immer wieder vor der Tatsache, dass man einen Bericht mit dem Wort "eigentlich" beginnen müsste, das aber eigentlich gar nicht will. Nun deutet der Beginn dieser Wortansammlung ja schon darauf hin, dass es mit der ursprünglichen Planung an diesem letzten Wochenende vor Weihnachten irgendwie nüscht wurde. Ein Wochenende in Amsterdam sollte es eigentlich (...) werden, nur die Herzensdame und ich, eine lockere Mischung aus Fußball und romantischem Pärchen-Touri-Kram eben. Ein kurzfristig angesetzter OP-Termin zerstörte jedoch drei Tage zuvor sämtliche Planungen und die Motivation war dahin. Christian fragte zwar kurz zuvor an, ob was gehen würde, aber so richtig Lust... nee, das nicht. Am Ende war es aber die Dame selbst, die den notwendigen Arschtritt gab, quasi befahl, irgendwohin zu fahren. Danke dafür an der Stelle und Küsschen, hehe. Aus etwas lockeren stöbern, dem ein oder anderen "man könnte ja" und dem Hintergedanken, dass die ursprünglich gebuchten Unterkünfte ohne Erstattung verfallen würden, wurde kurzerhand eine kleine Ausfahrt gen Westen geplant, die nochmal etwas Fußball im Lieblings-Westland Belgien beinhalten sollten. Christian zeigte sich auch zufrieden und so startete man zu zweit (die endgültige Entscheidung zur Fahrt fiel Donnerstag-Abend...) am Freitag-Mittag gen Kölle. 
Wie erwartet zog sich die Reise ein wenig, doch das Zeitpolster bei der Ankunft im nur 500 Meter vom Sportpark Höhenberg gebuchten Hotel mit Charme eines 70er-Jahre-Porno-Filmchens wies trotzdem noch ausreichend Inhalt auf. Der leicht verwirrte und optisch ein wenig an Jean Pütz erinnernde Kollege an der Rezeption wies auch gleich den Stadionparkplatz als Hotelparkplatz auf, was die beiden Kollegen an der Durchfahrt nach kurzer Diskussion auch akzeptierten. Entgegen jeder Regel beim sogenannten Groundhoppen entschied man sich bei der Frage "Sitzen oder Stehen?" für die doppelt so teure Altherren-Variante, Sparfüchse werden wir nicht mehr. Dank GmbH-Boykott musste der Zwischenstopp hier eingelegt werden, denn lediglich das auf der schäl Sick liegende Stadion des Aufsteigers fehlt zur erneuten Komplettierung. Die Auswahl interessanter Gegner ist in Liga 3 glücklicherweise recht groß, mit Hansa dribbelte dann aber direkt mal einer der fantechnischen Platzhirsche zur persönlichen Jubelfeier auf. Am Rande der durchaus schicken Haupttribüne fanden wir ein Plätzchen abseits des Trubels, der zudem einen perfekten Blick auf den stattlich gefüllten Gästeblock bot. Ein runder Tausender stand sich an einem kalten Freitagabend rund 600 Kilometer von der Heimat entfernt die Beine in den Bauch - immer wieder erstaunlich, wie reisefreudig die Blau-Weißen nach all den Jahren im sportlichen Nirgendwo immer noch sind. Auch auf der Tribüne tummelten sich einige Hansa-Fans, während auf der zu Saisonbeginn eröffneten Stahlrohrtribüne recht lückenhaft aussah. Aus sportlicher Sicht ist das hier ein kleiner Krisengipfel, die Viktoria (wie viele Kölner Vereine ein Ergebnis diverser Fusionen) steht als Aufsteiger gerade so über dem Strich (direkt dahinter lässt sich ein bekannter sächsischer Chaosverein finden) und die Rostocker hinken auch wieder irgendwo im Mittelfeld rum, den Blick tendenziell eher nach unten als nach oben gerichtet - passenderweise verlor die Kogge in der Vorwoche sogar zuhause gegen den CFC, die fünfte Niederlage der letzten sechs Partien. Umso überraschender daher der Auftritt des FCH, der nach einer halben Stunde mit 3:0 führt und das Ding am Ende auch locker mit 5:1 nach Hause schaukelt. Kein Wunder dass der Anhang hier recht beruhigt supporten kann, es daher recht locker angehen lässt. Auf ein lautes "Hansa" folgt dann auch mal ein von 20 Leuten vorgetragenes "Hooligans!" in die Stille, danke für den Lacher. Der Block ist natürlich auch eher suboptimal, für die Masse zu breit. Passt aber schon, wenn man die Hanseaten schon paar Mal live gesehen hat, sind die Erwartungen auch gar nicht mehr so riesig. Die kochen auch nur mit Wasser, hat aber heute gepasst, da authentisch. Die Heimseite ist da natürlich das komplette Gegenteil, zumal der Spielverlauf dort natürlich eine andere Reaktion hervorruft. Viele sind es nicht, die ihre Stimme für die Viktoria erheben, fraglich für mich eh, welchen Platz man hier eigentlich (...) in der Stadt einnehmen will. Na ja, gedanklich also den grünen Haken hinter die dritthöchste deutsche Fußballliga gesetzt und nach unnötigem Marsch zum geschlossenen Restaurant und Abendessen an der Tanke nebenan endete der Abend noch entspannt vorm Hotel, inklusive kurzem Auftritt der Gesetzeshüter, hehe. "Emotionen statt Vollrausch!" wie man in Rostock sagen würde... 


































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