Sonntag, 13. Oktober 2019

13.10.2019: Borussia VfB Neunkirchen - FV 09 Bischmisheim

  • Saarlandliga (6.Liga Deutschland)
  • Ellenfeldstadion (Neunkirchen)
  • 200 Zuschauer
  • 1:0 (0:0)
Lockere 1,5 Stunden vor Anpfiff wird der Zündschlüssel aus dem Schloss gezogen (ach nee, ich hab ja einen mit "Start"-Knopf...) und es beginnt der Teil des Wochenendes, auf den ich mich ehrlich gesagt am meisten gefreut habe. Bereits bei der Wiesbaden-Ausfahrt im vergangenen Sommer (siehe Haderlump #2) war ja ein Besuch des Ellenfeldstadions eingeplant, allerdings schien der Ansetzungsgott aus mir unbekannten Gründen eine kleine Privatfehde gegen mich zu führen und verlegte das Heimspiel der Saarländer auf den Sonntag, wo mich ja bereits die Arbeit wieder rief. Diesmal passte aber alles, der Sonntags-Termin passte sogar perfekt in den Plan, wobei ich diesen wahrscheinlich eh zugunsten dieses Spiels geändert hätte. Denn das Ellenfeldstadion ist eines dieser Stadien, die zwar eigentlich nah (zumindest im Vergleich zu manch anderen Touren) liegen, aber die man als am anderen Ende Deutschlands lebender Fußballasi dann doch immer vor sich herschiebt. Schluss mit dieser Einstellung, diesmal gab es keine Ausreden mehr. Zumal Pommes nach Bekanntgabe des Spielbesuchs direkt zusagte und damit nicht nur das Wochenende uns zuliebe ohne neuen Ground verbrachte, sondern direkt auch eine kleine Stadionführung organisierte. Kurioserweise veröffentlichte der Verein in der Woche zuvor sogar selbst das Angebot, dass man bei vorheriger Anmeldung (mindestens eine Woche) an einem kostenlosen (eine kleine Spende für den Nachwuchs wird  gern angenommen) Rundgang teilnehmen kann. Und an dieser Stelle kann ich euch getrost empfehlen, diese Möglichkeit zu nutzen, solltet ihr sie haben. Die erste offizielle Stadionführung blieb uns aufgrund zu kurzfristiger Anmeldung zwar verwehrt, dafür bekamen wir von den beiden Borussia-Fans Steven und Marc nach kurzer und problemloser Rücksprache ("De Tür is eh off!") eben die inoffizielle Variante. Auch ohne diese hätte ich das Ellenfeld wie viele andere auch sofort in meine Top Ten der deutschen Stadien gesteckt, aber der ausgiebige Einblick hinter die Kulissen setzt dem Besuch hier dann eben die gern zitierte Kirsche auf die eh schon viel zu große Torte. Beeindruckend vor allem der Gang durch die Katakomben unterhalb der Tribüne, die noch genauso aussehen wie beim letzten Bundesliga-Gastspiel der Neunkirchener 1968. Da kommt dann eben auch tatsächlich die klassische Fußballbegeisterung durch, wenn man sieht unter welch spartanischen Verhältnissen die Kicker im Vergleich zu heute ihrem Sport nachgegangen sind. Irgendwo in der hintersten Ecke stehen ein paar alte Pokale rum (u.a. vom Turniersieg der alten Herren 1979 in Saarlouis, herrlich), die Luft ist stickig, wir sind völlig begeistert. Dazu die schiefen Stufen der kleinen Vortribüne und natürlich die unglaublich wuchtige und steile Spieser-Kurve, ein Träumchen von einer Stehtribüne. Und ganz oben auf dieser angekommen (vorher gab's noch unterhalb einige interessante Sprühereien zu sehen, die zeigen, dass man sich in Neunkirchen und Saarbrücken nicht immer so sympathisch war wie heute...) war dann tatsächlich endlich wieder einer dieser Momente gekommen, in denen einem bewusst wird, warum man dieses Hobby eigentlich betreibt. Du sitzt am höchsten Punkt dieses unglaublich geilen Stadions, die Sonne scheint, eine leichte Briste, es riecht nach Fußball und du hast kompetente und sympathische Gesprächspartner an deiner Seite. Ein ganz ehrliches und dickes Danke daher an dieser Stelle an die beiden Neunkirchener und Pommes für die Möglichkeit! 
Auch sonst macht das hier alles einen grundsympathischen und ehrlichen Eindruck. Man merkt, dass hier viele Leute mit Herzblut und Leidenschaft am Werk sind, um ihren Verein zu erhalten und zu gestalten. Sei es die Mutti mit Borussia-Tattoo und Bengalo auf dem T-Shirt am Kuchenstand oder der alte Rentner an der Kasse, der einem beim Verkauf der Tickets mit dem Satz "5 Euro is ä Schnäbbsche. Ä Hubschrauber koschded mehr!" einen herrlichen Kalauer um die Ohren schleudert. Natürlich ist Saarlandliga in fußballerischen Punkten jetzt kein Feinschmecker-Restaurant, aber das Gebolze, dass die Borussia am Ende völlig verdient, aber auch etwas glücklich für sich entscheidet, passt eben auch irgendwie zur Atmosphäre. Man merkt, dass die Leute froh sind, dass ihr Verein überhaupt noch spielt, obwohl das Stadion einem quasi alle zwei Wochen unter die Nase reibt, dass dieser Verein auch mal zu den Großen gehört hat. Und jeder weiß, dass man diesen Status nie wieder erreichen wird, ja wahrscheinlich nicht mal in die Nähe des großen Fußballs kommt. Und trotzdem: es ist ihr Verein, also sind sie da. Spätestens als ein vielleicht 10-jähriges Mädel mit "FCK CPS"-Shirt an uns vorbei flitzt, ist es eh aus, besser kann es nicht mehr werden. Da freuen wir uns sogar über die drei anwesenden "Ultras Bischmisheim", die in ihrem ganzen Auftreten einfach eine so groteske Erscheinung abgeben, dass es uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Klar, schön dass sich da anscheinend ein paar Jugendliche irgendwie für ihren Dorfverein engagieren wollen und sich paar kleine Fahnen malen und versuchen überall dabei zu sein - aber wenn ich bei drei Jungs, die definitiv alle noch keinen Führerschein haben, drei komplette Klischees entdecke, wird es dann aber doch lustig. Während einer wie ein typischer Jugendspieler aussieht, könnte der zweite der bislang unentdeckte deutsche Bruder von Sheldon Cooper sein. Der Dritte im Bunde schießt den Vogel dann aber endgültig ab und wirkt mit einer bunten Mischung der gerade angesagten Casual-Marken (die Adidas-Jogger war aber fehl am Platz, Junge!) wie das schlechte Abziehbild des deutschen Klischee-Ultras 2019.
Aber uns schockt heute wie schon erwähnt gar nichts mehr - hier passt heute wirklich einfach mal alles. Und daher wie gesagt nochmal dickes Danke an die Schwarz-Weißen für die Gastfreundschaft und Pommes für die Hilfe!














































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